Sauna-Ebene

Geschichten aus der Badekultur :"Schwitzen, Reiben, Butzen" - Anno 1610 fand der Tiroler Arzt Guarinonius erstaunlich wenig Verständnis dafür, daß seine Zeitgenossen im Bad "schwitzen, sich reiben, fegen, butzen und abwaschen lassen". Er war aber um die guten Sitten besorgt und deshalb unter anderem auch darüber empört, daß junge Mädchen nur notdürftig bekleidet zum Badehaus rannten. Wenn man dem Chronisten glauben schenken darf, gab es damals in Tirol kaum ein Dorf ohne Schwitzbad. Seit mindestens zwei Jahrtausenden sind die verschiedensten Formen von beheizten Wasser- und Luftbädern bekannt. Ihre Geschichte hat Höhen und Tiefen bis zum zeitweiligen Vergessen des Badewesens.
In vielen Bädern zum Ende des Mittelalters wurde auch gezecht, gewürfelt und geliebt, aber dabei handelte es sich meist nicht um ehrbare Einrichtungen. Ansonsten weilten Frauen und Männer selten gemeinsam in der Badestube und trugen im übrigen Hemden oder Schurze oder bedeckten sich mit Büscheln aus Birkenzweigen (Badequast). In der Sauna, lautet ein altes finnisches Sprichwort, solle man sich benehmen wie in einer Kirche.
Doch mitunter muß es - zumindest im Bayerischen - recht handfest
zugegangen sein, denn "Pilsensamen in die padstuben auf den ofen gegossen, macht dy laut an einander slahen mit den padscheff-lein"; die Anwesenden verprügelten sich also mit kleinen Holzbottichen, die für Waschungen und den Aufguss benutzt wurden. Ursache der Raserei: Nicht geheimnisvolle Zauberkräfte des Bilsenkrauts, sondern die von der giftigen Staude hervorgerufenen Wahnvorstellungen.
Bei solcherart zweifelhaften Zutaten kann es nicht wundem, dass in vielen Ländern Badehäuser auch als Aufenthaltsort böser Geister galten. So glaubte man in Marokko, durch den Dampf werde ein weiblicher Dämon geweckt, der den Männern in eindeutiger Absicht zu Leibe rücke. Wie der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, pflegten die Reiterhorden der Skythen Heißluftbäder vergleichbar der Sauna zu nehmen. Die wilden Kerle warfen Hanfsamen auf die glühenden Steine und johlten im aufsteigenden Qualm vor Freude, doch war es wohl eher der Rausch, in den das Haschisch sie versetzte. Heute spenden in milden Warmluftbädern ätherische Öle und aromatische Essenzen harmlose, wenn auch auf ihre Weise nicht weniger wirksame Genüsse: Lavendel macht die Seele weit; Minze und Melisse erfrischen den Organismus und stärken seine Widerstandskraft; Eukalyptus lindert Erkältungskrankheiten; Heublumen pflegen die Haut.

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